Yamaha Tuning-Projekt
Tuning für
Yamaha BT 1100 Bulldog
100,73 PS am Hinterrad · 120,08 Nm Drehmoment
KAINZINGER Yamaha BT 1100 Bulldog
Beim Tuning für die Yamaha BT 1100 Bulldog stand ein anspruchsvolles Ziel im Mittelpunkt: Die Leistung des großvolumigen V2 sollte auf 100 PS am Hinterrad gesteigert werden – ohne dabei den charakteristischen, drehmomentstarken Motorcharakter der Bulldog zu verlieren.
Dafür wurde der Motor umfassend überarbeitet. Sportkolben mit höherer Verdichtung, speziell bearbeitete Nockenwellen, eine umfangreiche Zylinderkopfbearbeitung, angepasste Ventilfedern sowie Änderungen an Ansaugung, Vergasern und Motorsteuerung bildeten ein aufeinander abgestimmtes Gesamtkonzept.
100,73 PS
am Hinterrad
120,08 Nm
maximales Drehmoment
19,70 PS
gegenüber der zweiten Anlieferung
17,52 Nm
maximales Drehmoment
Die Ausgangsbasis
Der Kontakt zu diesem Projekt begann bereits 2008. Im Juli desselben Jahres kam die Yamaha BT 1100 Bulldog erstmals für eine Leistungsmessung zu uns.
Zu diesem Zeitpunkt war der Motor bereits mit anderen Kolben und umgeschliffenen Seriennockenwellen ausgestattet. Zusätzlich verfügte das Motorrad über eine Komplettauspuffanlage mit Akrapovic ABE-Schalldämpfern.
Die erste Messung bei uns ergab:
75,84 PS am Hinterrad
96,17 Nm maximales Drehmoment
Im Juli 2009 kam die Bulldog erneut zu uns. Zwischenzeitlich waren weitere Tuningmaßnahmen vorgenommen worden.
Die erneute Eingangsmessung ergab:
81,03 PS am Hinterrad
102,56 Nm maximales Drehmoment
Das Ziel für die nächste Entwicklungsstufe war damit eindeutig definiert:
Möglichst 100 PS am Hinterrad.
Die Leistungsentwicklung der KAINZINGER R1 wurde auf dem Prüfstand dokumentiert. Nach DIN erreichte der 1.080-cm³-Motor eine Spitzenleistung von 210 PS und ein maximales Drehmoment von 139 Nm.

Das Motorkonzept für die Yamaha BT 1100
Um das angestrebte Leistungsniveau zu erreichen, war eine grundlegende Überarbeitung des Motors erforderlich.
Entscheidend war auch bei diesem Projekt nicht eine einzelne Komponente, sondern das abgestimmte Zusammenspiel aller Maßnahmen.
Hinweis: Diese Ram-Air-Box wird heute nicht mehr hergestellt.

Die wichtigsten Motorarbeiten
- 98-mm-Sportkolben mit 10,2:1 Verdichtung
- speziell bearbeitete Nockenwellen
- 12,4 mm Ventilhub auf Einlass- und Auslassseite
- Steuerzeiten von 255° bei 1 mm Ventilhub
- umfassende Zylinderkopfbearbeitung
- Bearbeitung von Ventilen und Brennräumen
- spezielle Ventilfedern für das erhöhte Drehzahlniveau
- frei programmierbares Motorsteuergerät
- Anpassung der Zündkurve
- Modifikation des Serienluftfilterkastens
- Anpassung der Ansaugtrichter
- individuelle Abstimmung der Serienvergaser
Sportkolben und höhere Verdichtung
Für den Neuaufbau kamen Sportkolben mit 98 mm Durchmesser und einer Verdichtung von 10,2:1 zum Einsatz.
Die zuvor eingebauten Kolben hatten zwar ebenfalls 98 mm Durchmesser, arbeiteten laut der damaligen Projektdokumentation jedoch lediglich mit einem Verdichtungsverhältnis von 8,3:1.
Die neuen Kolben waren damit ein wichtiger Bestandteil des überarbeiteten Motorkonzepts.
Speziell bearbeitete Nockenwellen
Auch der Ventiltrieb wurde umfangreich überarbeitet.
Neu beschaffte Seriennockenwellen wurden per Laserschweißung mit speziellem Zusatzwerkstoff aufgebaut und anschließend auf die gewünschten Profile geschliffen.
Damit konnten auf Einlass- und Auslassseite 12,4 mm Ventilhub sowie Steuerzeiten von 255° bei 1 mm Ventilhub realisiert werden.
Zum Vergleich: Die zuvor verwendeten umgeschliffenen Seriennockenwellen arbeiteten mit 11,2 beziehungsweise 11,3 mm Ventilhub und Steuerzeiten von 240°/246°.
Zylinderkopf und Brennraumbearbeitung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der umfassenden Bearbeitung der Zylinderköpfe – insbesondere der Ventile und Brennräume.
Dabei wurde der Zylinderkopf nicht isoliert betrachtet. Verdichtung, Nockenwellen, Ventiltrieb, Ansaugung und Gemischaufbereitung mussten als Gesamtsystem zusammenarbeiten.
Ansaugung, Vergaser und Motorsteuerung
Nach den mechanischen Arbeiten begann die eigentliche Abstimmungsarbeit.
Bereits mit dem Seriensteuergerät, den Serienvergasern und ohne umfangreiche Feinabstimmung erreichte der überarbeitete Motor:
95,22 PS am Hinterrad
116,66 Nm Drehmoment
Damit war klar, dass das angestrebte Ziel von 100 PS erreichbar war.
Für die nächste Entwicklungsstufe wurden deshalb die Ansaugung, Vergaserabstimmung und Motorsteuerung weiter optimiert.
Individuelle Vergaser- und Zündabstimmung
Für die finale Abstimmung wurden die beiden Serien-Unterdruckvergaser individuell und zylindersequentiell abgestimmt.
Dabei wurden unter anderem Düsennadeln und deren Position, Hauptdüsen sowie Schwimmerstände angepasst.
Zusätzlich wurden verschiedene Vergaser-Ansaugtrichter und Luftfilter-Eingangstrichter getestet.
Ein alternatives Motorsteuergerät ermöglichte außerdem die freie Anpassung der Zündzeitpunkte in Abhängigkeit von Drosselklappenstellung und Drehzahl.
Die Drehzahlbegrenzung wurde schließlich auf sinnvolle 7.200 U/min angehoben.
Damit konnten Motorhardware, Gemischaufbereitung und Zündung gezielt aufeinander abgestimmt werden.
Ziel erreicht: 100,73 PS am Hinterrad
Nach Abschluss der Abstimmungsarbeiten war das ursprünglich gesetzte Ziel erreicht.
Vorher
81,03 PS am Hinterrad
102,56 Nm maximales Drehmoment
Nachher
100,73 PS am Hinterrad bei 6.840 U/min
120,08 Nm maximales Drehmoment
Damit gewann die Bulldog gegenüber der zweiten Anlieferung rund:
+19,70 PS am Hinterrad
+17,52 Nm maximales Drehmoment
Besonders interessant ist die Leistungsentfaltung:
Bei 3.873 U/min stehen bereits 11,69 PS mehr als vor dem Umbau zur Verfügung.
Bei 6.000 U/min beträgt der Leistungszuwachs sogar 16,96 PS.
Zwischen 6.350 und 7.200 U/min liegen mindestens 98 PS am Hinterrad an.
Damit wurde nicht nur die gewünschte Spitzenleistung erreicht – die Bulldog gewann auch über einen breiten Drehzahlbereich deutlich an Performance.
Fahrwerk passend zur Motorleistung
Das Projekt beschränkte sich nicht nur auf den Motor.
Die alte Projektdokumentation zeigt außerdem eine USD-Gabel, einen Öhlins TTX Stoßdämpfer sowie eigens CNC-gefertigte Gabelbrücken.
Damit wurde auch das Fahrwerk der außergewöhnlichen Bulldog entsprechend weiterentwickelt.
Eine außergewöhnliche Yamaha BT 1100 Bulldog
Die Yamaha BT 1100 Bulldog ist nicht das Motorrad, das man als Erstes mit einem umfangreichen High-Performance-Motorprojekt verbindet.
Genau das macht dieses Projekt besonders.
Mit gezielten mechanischen Änderungen, einer umfangreichen Zylinderkopfbearbeitung und intensiver Abstimmungsarbeit entstand ein individuell aufgebauter V2, der das ursprünglich gesetzte Ziel tatsächlich erreichte:
100,73 PS am Hinterrad und 120,08 Nm maximales Drehmoment.
Ein schönes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Motorhardware und individuelle Abstimmung konsequent als Gesamtsystem entwickelt werden.


























